20. Oktober 2008

WIE ENTSTAND DIE FERNSEHSENDUNG  "AKTENZEICHEN XY - ungelöst" ?

"Auszug aus der Zeitschrift "FREIZEIT WOCHE" Nr. 19 vom 02. Mai 2007"

Seit über 41 Jahren ermittelt Kommissar Zuschauer....
"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung nutzen, das ist der Sinn dieser Sendereihe." Mit diesen Worten
gab Eduard Zimmermann 1967 den Startschuss für die bis dahin einmalige Fernsehsendung. Seit über 41 Jahren
trägt das Format zur Kriminalaufklärung bei und genießt Kultstatus bei den Zuschauern. 30 Jahre lang prägte
Eduard Zimmermann die Sendung; seit 2002 moderiert Rudi Cerne diesen "TV - Klassiker".
Es gibt tatsächlich Menschen, die "Aktenzeichen XY ... ungelöst" sicher gerne vom Bildschirm verbannen würden:
die Straftäter. Ihre Abneigung gegen diese Sendung ist durchaus begründet, denn ist ein Verbrechen nur schwer
genug, findet es sich früher oder später dort wieder.
Die Chance, bald hinter Gittern zu sitzen, ist hoch:
Ca. 40 - 45 % der namentlich Gesuchten werden nach "XY" meist recht schnell gefasst.

Eine hohe Aufklärungsquote
Begonnen hatte alles am 20. Oktober 1967. Das ursprüngliche Sendekonzept ist bis heute unverändert geblieben.
Das erste interaktive Format im deutschen Fernsehen basiert darauf, dass mit Hilfe der Zuschauer unbekannte
Täter identifiziert und flüchtige Verbrecher aufgespürt werden können. 3 - 5 ungelöste Kriminalfälle werde in
 Form von ca. 10-minütigen Filmen rekonstruiert. Desweiteren werden Fälle behandelt, bei denen anhand von
eingeblendeten Personenfotos, Phantombildern oder Abbildungen markanter Gegenstände nach Straftätern oder
der Identität Unbekannter gefahndet wird. "Themenlieferanten" für die Beiträge sind die Strafverfolgungsbehörden,
als die örtlichen Kripo-Stellen, Staatsanwaltschaften, Landeskriminalämter und das Bundeskriminalamt (BKA).
Auch ausländische Fälle werden regelmäßig ausgestrahlt, sofer es ein Bezug zum Sendegebiet gibt. Dann kommen
die Zuschauer ins Spiel: Kann jemand sachdienliche Hinweise geben? Per Telefon oder Internet wird alles ganz
sorgfältig erfasst.

Urheber des Formats und erster Moderator war der Journalist Eduard Zimmermann.
Die Idee zur Sendung hatte Zimmermann bei der Arbeit an seiner 1964 gestarteten Sendereihe "Vorsicht Falle!".
Hier wurden vor verschiedenen Betrugsmaschen gewarnt. Oftmals kamen daraufhin Informationen über bestimmte
Verbrecher, die zu den vorgestellten Tricks gegriffen hatten, zurück in die Redaktion. Bald hatte Zimmermann die
Idee, ungelöste Kriminalfälle in einer eigenen Sendung zu thematisieren. Auch bekannte er, selbst einmal Opfer
eines Betrügers gewesen zu sein - wohl mit eine Motivation für die "Aktenzeichen" - Sendung. Diese wurde rasch
zum Erfolg.

Bereits in der 6. Sendung, am 07. Juni 1968, konnte der 1. Fall mit Hilfe der XY - Zuschauer
gelöst werden: der Mord an Dr. Boll.
12 Stunden nach der Ausstrahlung erfolgte die Festnahme des bis dahin unbekannten Täters.
Im Laufe der Jahre wurden einige der "härtesten Nüsse" der Kriminalgeschichte geknackt. Zum Beispiel der
4-fache Soldatenmord von Lebach im April 1969. Eine Zuschauerin führt die Kripo auf die richtige Spur. Die
ekannte Wahrsagerin Madame Buchela erkannte am verwendeten Falschnamen einen ihrer Besucher wieder.
Die beiden Täter wurden tatsächlich 2 Wochen nach der "XY" - Sendung festgenommen.

Manches Mal umstritten
Die Aufklrätungsquote ist hervorragend - doch die Sendung nicht immer unumstritten. So sahen Kritiker in der
TV - Fahndung die Anstiftung zum Denunziantentum. Weiter würden Voyeure an den Bildschirm gelöckt, die sich
am Leid der Opfer weideten. Immer wieder wurde aus diesen Gründen die Absetzung der Sendung gefordert.
Aber immer wieder konnte sie auch durch besondere Erfolge bestehen.
Eine Sternstunde  war die Sendung vom 07.09.2001:
4 Festnahmen nach der Ausstahlung. Durch Hinweise aus den Reihen der 5 Millionen XY - Zuschauer wurden
gefasst: der Frauenmörder von Heilbronn, ein lang gesuchter Betrüger mit Begleiterin und ein Bankräuber.

In 30 Jahren stellte Eduard Zimmermann rund 2700 Kriminalfälle vor.
Im Okrober 1997 verabschiedete er sich vom Bildschirm. Sein Nachfolger war 4 Jahre lang Butz Peters.
2002 übernahm Rudi Cerne die Moderation.
Doch es gab Fällen, die Zimmermann nie losließen. So trat er im Nomeber 2002 in der 350. Sendung nochmal
vor die Kamera, um einen erneuten Anlauf zur Aufklärung des Mordfalles "Ursula Hermann" zu unternehmen.
Dabei handelte es sich um ein Mädchen, das 1981 tot in einer Kiste entdeckt wurde. Bilder, die der Journalist nicht
vergessen konnte. (Der Fall wurde vor wenigen Wochen aufgeklärt)

Das kennt auch Rudi Cerne: Der Fall Carolina hat mich besonders erschüttert.
Das Kind, das in einer Kliniktoilette gefunden wurde, war nicht mehr zu retten. "Bereits am nächsten Tag wurde
der Fall in "XY" ausgestrahlt. Die Zuschauer nahmen großen Anteil. Gott sei Dank wurden die Täter kurze Zeit später
in Italien verhaftet", so der Moderator.
Menschliche Tragödien, gewiefte Verbrecher, clevere Ermittler - das ist "Aktenzeichen XY ... ungelöst".

Und das war noch nicht alles:
Nicht allein, dass "Aktenzeichen YX ... ungelöst" zahlreiche Fälle lösen konnte und viele Zuschauer anzieht.
Aus der F e r n s e h s e n d u n g entwickelte sich sehr viel Positives.
So wurde im Juni 1976 auf die Initiative von 17 Gründungsmitgliedern , darunter auch Eduard Zimmermann
nebst Ehefrau, die Hilfsorganisation "Weißer Ring" in Mainz gegründet. Der Verein setzt sich für Kriminalitätsopfer ein
und versucht ihre rechtliche, soziale und wirtschaftliche Lage zu verbessern.
Im Jahre 2002 wurde eine Auszeichnung für Zivilcourage ins Leben gerufen: "Gemeinsam gegen das Verbrechen", so
der Leitspruch für den sogenannten XY - Preis, der jährlich an Menschen für ihren herausragenden Einsatz gegen das
Verbrechen verliehen wird. Der Preis  wird unter der S c h i r m h e r r s c h a f t  des Bundesinnenministers an 3
Personen oder Personengruppen verliehren, die sich auf ganz vorbildliche Weise zur Verhinderung einer Straftat
oder für ein Opfer eingesetzt haben.

Wer richtig aufgepasst hat ...
Die Fälle, die nachgestellt werden, sind alles andere als spaßig. Doch die Fangemeinde um "Aktenzeichen" hat einige
Auffälligkeiten gesammelt, die häufig in den verschiedenen TV - Folgen vorgekommen sind. Über die sogenannten
Mythen lässt sich dann doch schon ein wenig schmunzeln ....
Oft sind in den Filmfällen Szenen in einer Küche zu sehen. Wenn die ganze Familie am Esstisch sitzt, gibt es grund-
sätzlich Suppe: Warum eigentlich? Oder: Wenn die Familie dann beim Essen sitzt (es gibt natürlich Suppe), erhalten
die einzelnen Mitglieder stets nur einen einzigen Schöpflöffel. Davon wird man doch nicht satt!
Beim Verabschieden sagen die Schauspieler in 90 % aller Fälle "Also, tschüss dann". Der XY - Spruch schlechthin
in den 80er- und frühen 90er - Jahren war: "Na, dann woll´n wir mal!".
Wer noch mehr Mythen lesen möchte: www.zuschauerreaktionen.de

XY international - so sieht es das Ausland
Das äußerst erfolgreiche deutsche Sendeformat wurde in vielen Länder kopiert. 1982 startete "Opsporing Verzocht"
nach dem deutschen Vorbild in den Niederlanden. Bereits 1984 begann die BBC in London mit großem Erfolg die
Sendereihe "Crimewatch U.K.". Den damaligen Moderatoren Sue Cook und Nick Ross wurden von einer Polizei-
beamtin und einem Polizeibamten, beide in Uniform, assistiert.
In den USA und Kanada entstand 1988 die Fahndungsserie "America´s most wanted". In der populären Sendung
erklärte beispielsweise Hollywoodstar Daryl Hannah zur besten Sendezeit, dass sie in den späten 70er - Jahren um
ein Haar Opfer eines Mädchenhändlerrings geworden wäre.
1990 folgten dann noch Schweden mit "Efterlyst" und 1992 Ungarn mit "Az XY Akta Megoldatlan".